Naturparkamt in Zarrentin am Schaalsee
Naturparkamt am Schaalsee
Dieses Projekt ist in seiner Konzeption ungewöhnlich, da es - auf Stützen ruhend - über dem Gelände einer ehemaligen Müllkippe errichtet worden ist.
Funktion und Form treten auch dadurch in eine interessante Wechselwirkung, die durch die gewählte Konstruktion noch unterstrichen wird. Das Gebäude ist aufgrund der Materialwahl in Verbindung mit der gewählten Formensprache zeitgemäß und landestypisch. Die Darstellung - überwiegend Photos bei Nacht - mag den tatsächlichen Eindruck des Gebäudes überhöhen.
Das neue Ausstellungs- und Bürogebäude für die Naturparkverwaltung steht auf einer ehemaligen Mülldeponie am Südrand des Schaalsees. Ein denkbar ungeeignetes Grundstück also. Auf den zweiten Blick aber macht es doch Sinn, gerade für eine solche Institution ein vom Menschen verwüstetes, wertlos gemachtes Stück Landschaft zu nutzen, ohne erneut noch intakte Natur zu zerstören und kilometerlange Erschließungstrassen in den Naturpark zu legen.
Dann sollte aber auch ehrlich die besondere Problematik dieses Baugrundes Gezeigt und nicht die heile Bauernwelt am Schaalsee mit rotem Klinker, Reetdach und Sprossenfenster vorgespielt werden, sondern es galt, sich auch gestalterisch den technischen Anforderungen zu stellen. Der Baugrund ließ nur ein leichtes Bauwerk auf Bohrpfählen zu. Ganz zwangsläufig ergaben sich daraus die konstruktiven und formalen Prämissen, Skelettbau, Stahl, Holz, bewußtes Absetzen des Baukörpers von der Terrainoberfläche, einmal um auf teure Abdichtungsmaßnahmen an erdberührten Bauteilen verzichten zu können, aber auch um die Aufgabe “Bauen auf der Deponie” visuell zu thematisieren. Die aus diesen topographischen, ökologischen, technischen, aber auch wirtschaftlichen Randbedingungen entwickelte Formensprache soll das neue Gebäude durchaus in ein formales Spannungsfeld mit der doch eher heterogenen architektonischen Realität der Umgebung stellen und gleichermaßen dem Besucher am westlichen Eingangstor nach Mecklenburg - Vorpommern ein so nicht unbedingt erwartetes Entree bieten.
Konstruktion: Stahlrahmen aus Rundstützen und Profildeckenträgern auf Stahlbetonbohrpfählen.
Außenwände: Holzfachwerk mit Lärchenholzstülpschalung
Decken: Stahlbetonfiligrandecken
Dach: Holoribverbunddecke mit extensiver Begrünung im Ausstellungsbereich, Trapezblech mit Metalleindeckung im Verwaltungsbereich
Heizung: Gaszentralheizung
Elektro: unterstützende Eigenstromerzeugung durch Photovoltaikanlage
Bauzeit: April 1997 - März 1998
Anschrift
Wittenburger Chaussee 13
Zarrentin
Planer
Planer Entwurf
Stephan Wenzl, Wolfgang Gerstner, Karl-Friedrich Menck, Matthias Knospe
Tragewerksplaner
Ingenieurgesellschaft Harden+Partner