Wohnen in der Mauer in Greifswald
Wohnen in der Mauer Greifswald
Dieses Projekt lebt aus dem ”genius loci” und setzt das selbstgestellte Thema eindrucksvoll um. Die Unterschiedlichkeit der “glatten” Aussenseite, welche Bezug nimmt zum städtebaulichenMaßstab der Wallanlagen, und der differenzierten Innenseite des Gebäudes, welche in ihrer Maßstäblichkeit mit der Bebauung in der Hirtenstraße korrespondiert und an mittelalterliche Anbauten an Stadtmauern erinnert, unterstreicht die Thematik des Entwurfs. Die konzeptionelle Idee wird in den Grundrissen weitestgehend umgesetzt. Kritisiert wird der angedeutete Turm, dessen Charakter aufgrund seiner geringen Höhe, der überproportionierten Fensteröffnungen und des Anbaus oberhalb des erdgeschossigen Durchgangs verloren geht.
Der Gebäudekomplex “Wohnen in der Mauer” an der Hirtenstraße orientiert sich an den örtlichen Gegebenheiten. Er ist integrativer Bestandteil der heute noch bestehenden, renovierten, aus Ziegeln hergestellten Stadtmauer um die Altstadt der Hansestadt Greifswald.
1976 wurden die Ende des 17. Jahrhunderts entstandenen Handwerkerbuden an der Hirtenstraße zusammen mit der Stadtmauer abgerissen. 1992 wurde der Wettbewerb (Auslober war die Stadt Greifswald mit dem Sanierungsträger DI, Deutsche BauBeCon AG in Greifswald - mit dem Obergutachtergremium Innenministerium Schwerin und dem Landesamt für Denkmalpflege Schwerin) mit dem Ziel durchgeführt, den stadträumlichen Mißstand zu reparieren, indem die Stadtmauer als Begrenzung widerhergestellt und durch die Nutzung Wohnen - als innerstädtische Funktion - neu gefasst wird.
1996 konnte der Entwurf des 1. Preises realisiert werden. Der Gebäudekomplex nimmt zu den Wallanlagen mit seiner Kolossalordnung den ehemaligen Verlauf der Stadtmauer auf, korrespondiert mit dem Gebäude an der Langen Straße, mit der Kleinteiligkeit zur Bebauung an der Hirtenstraße, erinnert an einen Rundbau, der dort gestanden hat, und erhält aus dem Zusammenhang des städtebaulichen Gesamtbildes einen Durchlaß an der Domstraße. Mit seinen 3-geschossigen Wohnungen (Maisonett- und Triplexwohnungen) wird der Ort neu definiert, denn anstelle historisierend an eine Mauer Wohnhäuser zu bauen, wo keine Stadtmauer seit 1976 vorhanden ist, leben nun die Bewohner “in der Mauer” selber. Jede Wohnung hat einen Zugang mit eigener Hausnummer von der Hirtenstraße. Die Wohnungen sind größtenteils als Sozialwohnungen vom Land gefördert. In der Öffentlichkeit hat diese ungewöhnliche Gebäude dazu beigetragen, sich stärker als bisher mit dem Thema Architektur und Gestaltsqualität auseinanderzusetzen. So erhielt es eine Sonderplakette beim Wettbewerb “Erhaltung des historischen Stadtraumes in den neuen Ländern und Berlin: Standortkultur und städtebaulicher Denkmalschutz”. Die Außenhülle besteht aus Ziegeln, damit sie einen Teil der gesamten, in Ziegel errichteten Stadtmauer bildet.
Anschrift
Hirtenstraße
Greifswald
Planer Entwurf
Friedrich Steinigeweg