Kahlenbrücke Demmin
Kahlenbrücke Demmin
Die Art des Antriebes zum Heben der Waagenbalken-Klappbrücke in Stahlbauweise mittels eines Zahnkranzsegmentes am Endquerträger wurde - wie bei der 1945 zerstörten Brücke - auch für den Brückenneubau gewählt.
Die Unterbringung des Antriebes im Hauptpfeiler unterhalb der Straßenebene wurde sehr konsequent genutzt, um die wahrnehmbare Gestalt der Brückenkonstruktion auf die rationale Mindestform zu reduzieren. Die Gegengewichte des Waagebalkens treten in der Kontur nicht hervor, sondern sind durch Rippen angemessen betont.
Die leicht geneigten Pylone entsprechen der rationalen Verbindung der kinematischen Festpunkte im Gelenkviereck der beweglichen Klappbrücke und ermöglichen die größtmögliche Durchfahrbreite für die Schifffahrt.
Die farblich unterschiedlichen Bänder der Pfeilerverblendung und das dunkle Blau der Stahlkonstruktion heben sich gut gegen den benachbarten historischen Hafenspeicher ab.
Dieses gut gestaltete, technisch anspruchsvolle Brückenbauwerk veranlasste das Preisgericht eine Anerkennung auszusprechen.
Die Kahldenbrücke befindet sich am südlichen Ende des Demminer Hafens und verbindet die beidseitig der Peene gelegenen Stadtteile. Daraus resultiert der sehr hohe Stellenwert, den die Brücke auch für den innerstädtischen Verkehr hat.
Mit der Neugestaltung des Hafengeländes und durch die näher an die Kahldenbrücke heranrückende Bebauung wurden die Möglichkeiten einer Baudurchführung im Bereich der jetzigen Peenequerung immer mehr eingeschränkt. Nach der Fertigstellung des Handels- und Verwaltungszentrums “Hanseufer” mit den zugehörigen Verkehrsanlagen hat sich das Verkehrsaufkommen am Brückenstandort 1995 nochmals deutlich erhöht.
Ein Brückenneubau war nur am alten Standort und erst nach Herstellung einer baustellennahen Umleitung mit einer beweglichen Brücke möglich. Zu den Besonderheiten der Projektumsetzung zählt, dass sowohl in der Umleitung als auch im endgültigen Bauwerk dieselbe Klappe verwendet worden ist. Eine weitere Besonderheit stellen die für das Öffnen und Schließen dienenden Zahnsegmente dar. Diese sind an der Klappe befestigt und werden über Ritzel durch Hydromotore angetrieben. Die Zulässigkeit der auftretenden Belastungen des Antriebes konnte rechnerisch nur unter der Voraussetzung nachgewiesen werden, dass die bei der Baudurchführung auftretenden und durch spezielle Messprogramme festgestellten Toleranzen ungewöhnlich klein sind.
Aufgrund der Lage am alten Stadtkern und in der Nähe der historischen Speicheranlagen wurde großer Wert auf einen anspruchsvollen Entwurf gelegt. Die neue Kahldenbrücke fügt sich harmonisch in die vorhandene Bebauung ein. Sie ist ein Beispiel dafür, dass auch in einem derart sensiblen Umfeld kostengünstige und gleichzeitig gestalterisch anspruchsvolle Lösungen ohne nennenswerte Vollsperrungen möglich sind. Sowohl während der Bauzeit als auch für den Endzustand sind höchste Ansprüche an die Funktionalität des Bauwerkes gestellt worden. Der ausgeschriebene Antrieb musste aufgrund der einzuhaltenen Pfeilerabmessungen sehr kompakt durchgebildet sein und trotzdem die erforderlichen Bewegungen in kürzester Zeit ermöglichen. Die Länge der Sperrzeiten während einer Klappenöffnung hängt von der eingesetzten Steuerungs-, Mess- und Regeltechnik ab, mit deren Hilfe auch die sich an der Kahldenbrücke konzentrierenden Verkehrsströme überwacht und gesteuert werden müssen.
Anschrift
Heilgeiststraße
03998 Demmin
Bauherr
Straßenbauamt Neustrelitz
Planer
Fachplaner
Antrieb:
Germanischer Lloyd, Berlin