Gemäldegalerie Greifswald
Gemäldegalerie Greifswald
Schlichte rechteckige Räume stehen mit ihrer Weiträumigkeit und ihrer Enge in einem spannungsvollen Wechsel zueinander, bestechend in ihrer Konsequenz und ihrem Respekt vor dem Bestehenden.
Es stimmt das Tageslicht, das in die Decke eingenischte Kunstlicht. Es stimmen die Proportionen, die Materialien, die Farbigkeit von Boden, Wand und Decke, die insgesamt ein „Netz visueller Verführungen“ bilden.
Die Treppe im Foyer macht den Eindruck, als hätte man sie bei Seite geschoben, um einen Durchblick frei zu halten. Schräg ist sie, in aller Rechtwinkligkeit der Umgebung, stehen geblieben, in einer Situierung, die Neugierde erweckt auf das, was oben zu erwarten ist. Detaillösungen verstärken diesen Eindruck.
Es herrscht die Kunst der Fuge. Die Architektur verzichtet darauf, sich selbst herauszustellen, vielmehr steigert sie die Wirkung der ausgestellten Kunst und lenkt die Aufmerksamkeit erst beim zweiten Blick auf sich selbst.
Der „Quistorp-Bau“ wurde ergänzt und – in herausragender Qualität – zum Ganzen vollendet.
Das zukünftige Pommersche Landesmuseum besteht aus drei historischen Solitärbauten, die mit einer neuen Museumshalle verbunden werden. Es werden untergebracht:
- Kultur- und Stadtgeschichte, Universitätssammlung im Grauen Kloster (1845)
- ehemalige Stettiner Gemäldesammlung im Quistop-Gebäude, früher Stadtschule (1799)
- Wechselausstellungen im 1990 umgebauten Konventgebäude (14. Jh.)
- Verwaltung, Museumspädagogik im Guardianshaus (15. Jh.)
Die neue gläserne Museumshalle erfüllt neben ihrer Funktion als zentrale Erschließungsachse auch die des Multifunktionsbereiches für Ausstellung, Vortrag und Veranstaltungen.
Das Quistorp-Gebäude wurde nach den Plänen von J. G. Quistorp, dem akademischen Zeichenlehrer des Greifswalder Malers C. D. Friedrich auf den Kirchenfundamenten des Franziskanerklosters 1793-99 als neues Gymnasium im frühklassizistischen Stil errichtet. Bereits 1846 erfolgte ein umfangreicher Umbau im klassizistischen Stil. Der ursprünglich eingeschossige Mittelbau wurde aufgestockt, die Fassadenordnung und Dachausbildung stark verändert und der Innenbereich umgestaltet. Im Jahr 1982 führten umfangreiche Baumaßnahmen zu weitreichenden Veränderungen.
1. BA Gemäldegalerie
Mit dem Wettbewerb im Jahre 1996 beginnen die Planungen für den Umbau zur Gemäldegalerie als Bestandteil des Pommerschen Landesmuseums. Durch die großzügige Gliederung empfiehlt sich das Haus zur Präsentation Bildender Kunst. Für die äußere Gestalt wurde die Rekonstruktion des Baukörpers auf den Stand 1846 umgesetzt. Dazu wurden die Gesimse auf der Südseite wiederhergestellt und die Fenster als Kastenfenster mit glasteilenden Sprossen in den Außenflügeln rekonstruiert. Das Gebäudeinnere wurde weitgehend auf den Original-Schulgrundriss von 1848 rückgebildet.
Eine durch Proportionen und „verletzliche“ Materialien bestimmte Architektursprache wurde gewählt:
- Kalkstein 1,00 x 1,00 m sägerauh, als EG-Fußboden
- Eiche 1,50 x 0,16 m weiß pigmentiert, unversiegelt, als OG-Fußboden
- Mineralputz/ -farben für die Wände
- Hüllflächenbeheizung durch Wandtemperierung nach Grosseschmidt
Anschrift
Mühlenstr.15
17489 Greifswald
Bauherr
Stiftung Pommersches Landesmuseum Greifswald
Planer
Tragewerksplaner
Ing. Büro Wetzel & v. Seht, Hamburg
Fachplaner
Haustechnik:
Kannewischer Zug/Schweiz
Elektrotechnik:
Ing.Büro Schröder,Greifswald
Lichtplanung:
Ing.Büro Dinnerbier, Berlin
Mueseumsdesign:
Bertron & Schwarz, Schwäbisch-Gmünd