Erweiterung Gymnasium Friderico Francisceum
Erweiterung Gymnasium Friderico Francisceum
Der Erweiterungsbau des Gymnasiums Frederico Francisceum in Bad Doberan ging aus einem Architektenwettbewerb hervor, bei dem dieser Entwurf mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde.
Eigenständig und selbstbewusst fügt sich der Neubau in das historische Ensemble zwischen Alexandrinenplatz und Prinzengarten ein ohne die vorhandenen Gebäude und den Park zu dominieren. Das neue Schulgebäude ist von weitem fast nicht sichtbar und erweist damit dem historischen Schulhaus des Baumeisters Möckel Respekt. Um so überraschender ist es dann, mit welcher Präsenz sich die Gesamtanlage, nachdem man näher gekommen ist, darstellt.
Mit großer Geste begrenzt der sichelförmige Baukörper, dessen Geometrie aus der Form einer Ellipse hergeleitet ist, den neuen Schulhof zwischen Alt- und Neubau. Es wird damit eine angemessen großzügige, neue Eingangssituation für das Gymnasium geschaffen.
Durch den tiefer gelegenen Eingang in das Gebäude gelingt es, den Neubau wohltuend behutsam in den Park einzufügen. Die Gebäudehöhe bleibt trotz der Viergeschossigkeit deutlich unterhalb derjenigen des alten Schulgebäudes, was besonders zu loben ist. Durch die eigenständige Gebäudeform und ihre subtile Platzierung im Gesamtensemble wird das Konzept einer "Schule im Park" hervorgehoben.
Mit dem sichelförmigen Bau gelingt es in überzeugender Weise den vielfältigen Anforderungen eines heutigen Gymnasiums gerecht zu werden. Die freie Form hebt sich bewusst von der vorgefundenen Orthogonalität der Anlage ab und stärkt damit das Zusammengehörigkeitsgefühl der Schüler und Lehrer.
Die Nutzungsqualitäten im Inneren des Gebäudes beurteilt die Jury sehr positiv. Alle Klassenräume sind zum Park hin orientiert. Die Mitte des Gebäudes wird durch eine mehrgeschossige Halle bestimmt, zu der sich die Erschließungswege orientieren. Dem Architekten gelingt es, eine Schule ohne die sonst üblichen langen Flure zu bauen. Unter Einbindung der Musik- und Lichtbildsäle lässt sich auf einfache Weise eine großzügige Veranstaltungsfläche herstellen, die sich zum Park und zum inneren Schulhof öffnet und von den umliegenden Galerien aus erlebt werden kann.
Bei der Ortsbesichtigung konnte sich die Jury von der hohen, durchgängigen und das Gesamterscheinungsbild positiv bestimmenden Detailqualität überzeugen. Im besten Wortsinn wird bei diesem Bauwerk das Konzept durch das Detail interpretiert. Leider wurde die Chance einer beidseitigen Belichtung und Belüftung der Klassenräume nicht in dem Maße genutzt, wie es das Gebäudekonzept ermöglicht.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema Alt - Neu, insbesondere der funktionale Übergang zum Altbau, ist in vorbildlicher Weise gelöst.
Das Gebäude wurde in Schottenbauweise mit Flachdecken konstruiert. Die Tragkonstruktion ist wirtschaftlich und der Aufgabe angemessen.
Die Sportanlagen fügen sich harmonisch in den Park ein, wenn auch ein erheblicher Eingriff in die historisch gewachsene Situation des Prinzengartens notwendig war.
Die gewählte signifikante Großform und die Vielfältigkeit im Detail ist nach Meinung der Jury Ausdruck des heutigen pädagogischen Konzeptes, genauso wie dies das Gebäude des Baumeisters Möckel zu seiner Entstehungszeit verkörpert hat. Das Verhältnis von Raum und Funktion sowie von Ort und Ereignis stellt in besonderer Weise eine Herausforderung und Chance für die Benutzer dar.
Insgesamt ist der Erweiterungsbau des Gymnasiums Frederico Francisceum in Bad Doberan ein hervorragender Beitrag zu einer zeitgemäßen, modernen Architektur, der durch die Gestaltungsmittel unserer Zeit bestimmt wird.
Anschrift
Alexandrinenplatz 11
18209 Bad Doberan
Bauherr
Landkreis Bad Doberan
Planer
Planer Entwurf
Volker Kittelberger
Tragewerksplaner
Ingenieurgemeinschaft Gölkel IGG, Höhenrandstraße 60, 70563 Stuttgart
Fachplaner
BTZ Ingenieurbüro GmbH, Frank Thoms, Lessingstraße 6, 18055 Rostock
vierzügiges Gymnasium
Bauwerksdaten
Planungszeitraum
1999
Baubeginn
1999
Fertigstellungstermin
2001