Konzerthalle Marienkirche; Konzertkirche Neubrandenburg
Konzerthalle Marienkirche; Konzertkirche Neubrandenburg
In einer denkmalgeschützten, gotischen Kirche wurde ein moderner Konzertsaal eingebaut und sowohl die historischen als auch die neuen Bauteile sind in überzeugendem Zusammenspiel zu einer einmaligen Raumerscheinung verschmolzen.
Die sorgfältig wiederhergestellte äußere Hülle der Kirche wurde erhalten und kaum verändert, der Innenraum zwischen den Außenwänden erfuhr eine völlig neue Gestaltung. Die Raumcharakteristik wird durch die gotischen Wände, Fenster und Pfeilervorlagen ebenso bestimmt, wie durch den Einbau zweier gegeneinander geneigter Parkettebenen, die das Orchesterpodium gleichsam in ihre Mitte nehmen. Alle neuen Einbauten sind als solche deutlich erkennbar, sie qualifizieren sich durch sichere Handhabung von Detail und Material im Kontrast und Zusammenspiel zu und mit den vorhandenen Backsteinwänden. Mit großer Konsequenz und Deutlichkeit halten die neuen Konstruktionen Abstand zur historischen Substanz, diese Abstände sind funktionell genutzte Teile des gesamten Raumkonzeptes.
In außergewöhnlicher Weise ist die funktionell und brandschutztechnisch erforderliche Unterteilung zwischen Saal und Foyer innerhalb des ehemaligen Kirchenschiffes bewältigt worden. Nicht nur die materielle, sondern vor allem die bewusst eingesetzte Transparenz erhält den räumlichen Zusammenhang und gibt nahezu von jeder Stelle überraschende und großzügige Durchblicke und Raumerlebnisse.
Diese meisterhafte architektonische Raumkomposition wird durch gleichwertige Leistungen der Ingenieurkunst ermöglicht. Außergewöhnlich ist die filigrane Konstruktion des Ranges und der zu ihm führenden Treppenanlagen, ebenso die den Raum nach oben begrenzende und zugleich erweiternde Lichtdecke, die an die Stelle der durch Kriegszerstörung verlorenen Gewölbe in maßstäblicher Angemessenheit tritt. Damit sei auch auf das, die Besonderheit des Raumes steigernde, Beleuchtungskonzept verwiesen.
Nicht zuletzt ist die technische und gestalterische Lösung der Raumakustik hervorzuheben, die die zweifellos aufgrund der gegebenen Raumdimensionen schwierige Aufgabe in hervorragender Qualität löst und darüber hinaus die Elemente der Schalllenkung als integrierten Bestandteil der Architektur aufwertet.
Angesichts der beeindruckenden Wirkung des Bauwerkes ist es wohl nicht übertrieben, wenn man im Ergebnis des innovativen Zusammenwirkens von Architekten und Ingenieuren von der Qualität eines Gesamtkunstwerkes spricht, das wertvollste, jahrhundertealte Bausubstanz gemeinsam mit modernsten Konstruktions- und Gestaltungselementen zu einer völlig neuen und gültigen Erscheinung geführt hat. Dieses Bauwerk dürfte die gegenwärtig vielerorts aktuellen Bemühungen um nachhaltige Umnutzung historischer Substanz nicht nur mit einem überaus gelungenen Beispiel, sondern mit einem Vorbild bereichern.
Anschrift
Marienkirche
Neubrandenburg
Bauherr
Stadt Neubrandenburg
Planer Entwurf
Architekturbüro Pekka Salminen
Tragewerksplaner
Haupttragwerksplanung: Ingenieurbüro Matti Ollila & Co., Helsinki
Tragwerksplanung Weiße Wanne:
Dieterich Beratende Ingenieure, Mainz – Neubrandenburg
Ingenieurbüro Krone, Berlin
Fachplaner
Geotechnische Planung:
Seidler & Lehmann GbR, Neubrandenburg
Haustechnik:
Clima Consult Oy, Helsinki
Haustechnik:
Mediprojekt GmbH, Neubrandenburg
Elektro- und Automatisierungsplanung:
Ing.- Büro Risto Mäenpää Oy, Helsinki
Elektro- und Automatisierungsplanung: Ingenieurbüro IBS, Berlin, Neubrandenburg
Beleuchtung, Bühnentechnik, AV Technik:
Teatek Oy, Tampere
Bühnentechnik:
Ing.- Büro Wibbeke & Penders, Berlin
853-1100 Publikumsplätze Architekturwettbewerb 1996
Bauwerksdaten
Planungszeitraum
1997 – 2001
Baubeginn
1998
Fertigstellungstermin
2001
Bruttogeschossfläche
6.500 m²
Umbauter Raum
42.220 m³
Planung
1997-2001
Bauausführung
1998-2001
Baukosten
1. Realislierungsbauabschnitt: 15,9 Mio €