Amtsgericht Wismar im Fürstenhof
Amtsgericht Wismar im Fürstenhof
Mit der Grundinstandsetzung und dem Umbau des denkmalgeschützten Gebäudeensembles im Bereich des „Fürstenhofes“ wurde in der Hansestadt Wismar ein herausragendes Beispiel der Lösung einer anspruchsvollen Aufgabe zum Erhalt vorhandener historischer städtebaulicher Substanz geleistet.
Sowohl der respektvolle Umgang mit Bauten, welche ein Alter von annähernd 500 Jahren aufweisen, als auch die über mehrere Jahrzehnte zugelassene Vernachlässigung in der Unterhaltung, einschließlich des Tragwerkes, stellten die beteiligten Planer und Ausführenden vor ungewöhnliche Herausforderungen.
Funktionelle Ableitungen eines Amtsgerichtes der Gegenwart erforderten die Integration und Anwendung aktueller und möglichst in die Zukunft gerichteter Lösungen des Brandschutzes und der modernen Bauphysik wie auch von Belangen der Sicherheit.
Das Gebäudeensemble wird nunmehr durch ein ausgewogenes Verhältnis alter und neuer Elemente geprägt.
Hervorzuheben ist die gelungene Wiederbelebung der Außenfarbigkeit welche sich an gesicherten Analysen des Bestandsbildes orientiert. Schmuckelemente des „Neuen Hauses“ geben die Entwicklung über verschiedene Materialien und Farbtöne der Renaissance wieder.
In angemessener Spannung zur gotischen Ziegelfassade stehen Putz und Stuck neben der farblich abgesetzten Gestaltung der Nachbarschaft der Renaissance und Neorenaissance mit ihren Terrakottaelementen am „neuen Haus“.
Beim Durchschreiten der Hofdurchfahrt aus Norden kommend verläßt der Betrachter den städtisch geprägten Außenbereich und findet sich in einem großzügig gestalteten Innenhof wieder, in dem die Ruhe und Repräsentanz einer ehemaligen fürstlichen Einrichtung erlebbar wird.
Im Inneren der Gebäude wurden zeitgemäße Materialien wie Stahl und Glas sowie eine moderne Beleuchtung konsequent auf die gegenwärtige Nutzung und auf den funktionalen Charakter abgestimmt.
Frei gehaltene bauliche „Fenster“ reizen dazu, sich mit der historischen Vergangenheit der Gebäude auseinander zu setzen. Das betrifft im Eingangsbereich des Alten Hauses die barocke Ofenanlage ebenso wie die Säulenfüße des Erdgeschosses, das Renaissanceportal im Innenbereich des Erdgeschosses des Neuen Hauses ebenso wie den Fürstengang-Fenstereinschnitt im Obergeschoß an der Stelle eines ehemaligen Überganges zur Georgenkirche.
Auch im Deckenbereich gelingt es, die historischen Gestaltungselemente sichtbar werden zu lassen und so die Phantasie des Betrachters gefangen zu nehmen.
Besondere Anerkennung verdient die technische und handwerkliche Beherrschung der Konstruktion, die in Teilen versagensgefährdet war. Ohne aktuelle optische Beeinträchtigung wurden die statischen Funktionen wieder hergestellt.
Anschrift
Vor dem Fürstenhof 1
23966 Wismar
Bauherr
Land Mecklenburg Vorpommern
Planer
Planer Entwurf
Architekten Simonsen + von Elverfeldt, Große Rainstrasse 41, 22765 Hamburg-Altona
und
Albrecht und Hartung, Mühlenstraße 17, 19055 Schwerin
Tragewerksplaner
Arbeitsgemeinschaft:
Dipl.-Ing. Günther GmbH
und
Ing.- Büro für Planung u. Konstruktion Goß-Jahr -Kiesel, Krüger, Schulstraße 16, 23966 Wismar
Fachplaner
Heizung, Lüftung, Sanitär, Aufzugstechnik:
Ing.- Büro Barkowski, Dr. Leber- Str. 40, 23966 Wismar
Elektrotechnik, Beleuchtung: Ing.- Büro für Elektro- und Lichtplanung Babendererde & Bartoscheck, Gewerbeallee 20, 18107 Elmenhorst
Hausforschung, Restauratorische Untersuchung u. Konzepte:
Dipl.-Ing. Zahn, Bergstr. 26, 19073 Groß Rogahn
Brandschutz:
Dipl. Ing. Herbst, Sebnitzer Str. 14, 01844 Hohwald
Holzschutz: Dr.-Ing. Haroske, Birkenweg 4, 23968 Gägelow
Akustik: Ing.- Büro für Akustik + Lärmbekämpfung Hermannstraße 22, 18055 Rostock
Freianlagen: Adolphi + Rose Landschaftsarchitekten, Lübsche Straße 81, 23966 Wismar
Bauwerksdaten
Planungszeitraum
1997 - 2002
Baubeginn
2000
Fertigstellungstermin
2003