Technologie- und Forschungszentrum, Wismar
Technologie- und Forschungszentrum, Wismar
Der Neubau des TFZ bildet auf einer altstadtnahen Halbinsel den Auftakt für einen Technologiepark. Die Lage dieses innenstadtnahen Gewerbegebietes zwischen Wismarbucht und Altstadt – seit Mai 2003 UNESCO-Weltkulturerbe – stellt besondere architektonische und städtebauliche Anforderungen.
Nach Räumung des Gewerbegebiets mit seinen geschlossenen Hafenanlagen öffnet sich die zuvor vom Wasser abgeschnittene Innenstadt nun zur Wismarbucht. Promenaden von der Altstadt zum Wasser binden das Technologie- und Forschungszentrum in die historische Stadtstruktur ein.
Ca. 3.500 m² Büro-, Entwicklungs-, Produktions- und Institutsflächen stehen privaten und öffentlichen Nutzern zur Verfügung. Obwohl der Bebauungsplan eine fünfgeschossige Bebauung zulässt, wurde davon mit der flachen langgestreckten Gebäudeform bewusst abgewichen, um den Neubau zurückhaltend in die Hafensilhouette einzupassen. Die Sichtachse Seeseite-Altstadt wurde dem „Geist des Ortes“ entsprechend respektiert.
Der zweigeschossige, zweifach abgewinkelte Baukörper folgt der Form der Landspitze und umfängt mit einer eng gerasterten Pfosten-Riegel-Fassade den offenen Innenhof mit dem denkmalgeschützten Lotsenhaus aus den 1930er Jahren. Im dem ehemaligen Lotsenhaus – das leider durch den Neubau nahezu erdrückt wird – wurden nach der Sanierung ein Bistro und mehrere Seminarräume angesiedelt.
Um die Begrenzung der Halbinsel durch den Neubau zum Wasser hin wieder aufzulösen und einen transparenten Übergang von innen nach außen zu schaffen, wurde im EG an den Wasserseiten eine raumhohe Verglasung ausgeführt. Die gleichzeitig mögliche Aussicht auf den Hafen und die Altstadtsilhouette wird durch Fensterbänder und Flurwandverglasung (auch aus den meisten Arbeitsräumen) gewährt.
Seeseitig nimmt das OG den Verlauf der Kaikante auf. Gebäude und Kai bilden durch die rostbraune Farbgebung der Spundwände und der Fassadenplatten aus Stahl eine optische Einheit. Das zurückspringende EG überdacht eine umlaufende Promenade, die dem Besucher die Hafenspitze erlebbar macht.
Technik- und Nebenräume – ebenso ein Konferenzbereich – wurden in unterschiedlich farbigen Containern auf das Dach und vor das Gebäude gesetzt. Die akribisch nachgebauten Container sind eine Hommage an den Standort Hafen. Einziger Schwachpunkt stellt die Erschließung der Containercluster auf dem Dach über ganzjährig der Witterung (und Seestürmen!) ausgesetzte Holzstege dar.
Wände und Decken sind aus Sichtbeton, rostende Stahltreppen im Innern und farbig gestrichene Ver- und Entsorgungsleitungen thematisieren die Welt der Technik.
Fünf Stahlbeton-Treppenhauskerne dienen der Aussteifung des Gebäudes. Die vertikalen Erschließungszonen unterteilen den Baukörper in regelmäßigen Abständen.
Ein innovatives Energie- und Be-/Entlüftungskonzept, bestehend aus unterschiedlichen Anlagesystemen, sorgt in Verbindung mit großzügigen Sonnenschutzanlagen für optimierte klimatische Verhältnisse.
Anschrift
Alter Holzhafen 19
23952 Wismar
Bauherr
Technologie- und Gewerbezentrum e.V., Schwerin
Planer
Planer Entwurf
Ateliers Jean Nouvel - 10, Frankreich, Cité d’ Angoulême, F-75011 Paris
und
Ziebell + Partner Architektur- und Planungs GmbH, Sophienstraße 10, 23560 Lübeck
Tragewerksplaner
Inros Lackner AG, Rosa Luxemburgstr. 16/18, 18055 Rostock
Fachplaner
Gebäudetechnik:
Ingenieurbüro Barkowski, Dr. Leber- Str. 40, 23966 Wismar
Elektrotechnik: Ingenieurbüro R. Goosmann, Bäckerstr. 17, 19053 Schwerin
Vermessung:
ARGE Döring + Bauer, Kanalstr. 20, 23970 Wismar
Prüfstatik:
Ing.- Büro für Prüfstatik Seehase + Röpckel, Lübsche Str. 131 23966 Wismar
Bauwerksdaten
Planungszeitraum
1998 - 2003
Baubeginn
2001
Fertigstellungstermin
2003