Wiederaufbau der Dorfkirche Barkow
Wiederaufbau der Dorfkirche Barkow
Die Aufgabe bestand in der Wiederherrichtung der durch Baufälligkeit teilweise eingestürzten Dorfkirche mit einem mittelalterlichen Kernbau aus Feldsteinmauerwerk.
Das Objekt liegt inmitten eines durch alten Baumbestand und liebevoll gepflegte Hausgärten geprägten Ortskerns. Es ist von mehreren Seiten über den außerordentlich großzügig und stilvoll angelegten Friedhof zugänglich. Von dem durchfahrenden Verkehrsteilnehmer gut einsehbar, liegt es auf einer leichten Anhöhe. Diese städtebaulichen Rahmenbedingungen haben die Architekten aufgegriffen, indem sie die entstandene Baulücke zwischen Kernbau und Fachwerkturm mit einer kräftigen Kubatur geschlossen haben. Dieses Zeichen wird dadurch sinnfällig, weil hier nicht nur ein zweiter Eingang angelegt wurde, sondern auch der ehemalige Fachwerkzwischenbau neu interpretiert wird. Der äußeren Form wird durch das Fassadenmaterial aus Corteenstahl eine zeitgenössische Prägung verliehen, die durch den leicht changierenden, warmen Braunton jedoch mit der von natürlichen Materialien geprägten Umgebung gut harmoniert. So wird aus einem riskanten Unterfangen Altes und Neues zusammenzubringen ein überraschend unaufdringliches aber unverwechselbares Ensemble.
Im Inneren ergibt der neue Zwischenbau Raum für die alte Orgel auf einer Empore, deren seitlicher Ausläufer für die Chorsänger den alten und neuen Teil zusammen bindet. Das Motiv der Einheitlichkeit des Kirchenraumes wird durch eine identische Farbgebung von alten und neuen Putzflächen erzielt, ohne dass der Neubau verleugnet wird, denn die neuen Wände sind deutlich rau strukturiert, was auch der Akustik zugute kommt. An der Nahtstelle von Alt und Neu sind zusätzliche Tageslichtöffnungen angeordnet, die den Zwischenbau auch innen auf sinnfällige Weise deutlich machen, ohne dass der Gesamtraum zerbricht. Der völlig offene neue Dachstuhl über dem alten Kernbau ist im guten Sinn schlicht ausgeführt. Die Tragwerksplanung hat hier auf denkbare Kräftedarstellungen spektakulärer Ausformung verzichtet. So findet sich hier ein Beispiel dafür, dass durchaus komplizierte Aufgaben einfach gelöst werden können, umso mehr die Konzentration auf den eigentlichen Zweck des Raumes die zentrale Aufgabe darstellt. Den Verfassern ist dies mit einer eindrucksvollen Gestaltung des Altarbereiches gelungen, in dem sich das Stahlmaterial der Außenhaut in den Kultgegenständen wieder findet, deren Ausformung ihre große Stilsicherheit verrät. In eindrucksvoller Leichtigkeit sind auch die neuen farbigen Fenster entworfen worden.
Mit dem Neu- und Umbau der Dorfkirche Barkow hat sich die dörfliche Gemeinschaft ein neues sozial-geistiges Zentrum geschaffen, von dem die Jury hofft, dass sich daraus nachhaltige Anreize für die Attraktivität des ländlichen Lebens ergeben.
Anschrift
Dorfstraße 17
Barkow
Bauherr
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Barkow
Planer
Tragewerksplaner
Guericke Ingenieurgesellschaft GmbH, Wismar
Fachplaner
Haustechnik:
stadt + haus architekten und ingenieure gmbh & co. Kg
Restauratoren:
Restauratorengemeinschaft Andreas Baumgart, Heiko Brandner, Rethwisch
Vermessung:
Vermessungsbüro Dipl.-Ing. Lothar Bauer, Wismar
Baugrundgutachten:
Ingenieurbüro für Bodenmechanik und Grundbau Buchheim, Gägelow
Glasgestaltung:
Thomas Kuzio, Neu-Sommersdorf 1
Bauwerksdaten
Planungszeitraum
2005
Baubeginn
2005
Fertigstellungstermin
2006
Bruttogeschossfläche
255 m²
Umbauter Raum
2.542 m³
Baukosten
350.000 €